Für mehr Authentizität in der Fotografie - Nackt und echt auf´m Hocker

 

Ein Mensch - ein Hocker - eine Geschichte

Bei dem Projekt "Nackt und echt auf'm Hocker" geht es darum, Menschen zu zeigen, wie sie sind. Mit all ihren Ecken und Kanten. Egal mit welchen Körperformen, wenig bis gar kein Make-up. Wimperntusche und nachgezogene Augenbrauen wurden hier noch akzeptiert, um den Wohlfühlfaktor der Teilnehmer entgegen zu kommen. Bis auf temporäre Erscheinungen wie Pickelchen wurde hier nichts retuschiert.

Insgesamt findet ihr hier die Geschichten von 29 Teilnehmern (inklusive der mir selbst).

Aber wie kam es eigentlich zu diesem sonderbaren Projekt?

 

Vorwort

 

Anfang 2021 hatte ich eine absolute Künstlerkrise und war so dermaßen verzweifelt, dass ich in meinen „Grauen Gedanken“ fast ertrunken wäre.

 

***

Graue Gedanken

An Tagen wie heute sitze ich da und frage mich, wieso ich damals überhaupt angefangen habe zu fotografieren. Und irgendwie konnte ich mir diese Frage nicht beantworten.

So, wie es bei vielen Künstlern oft ist, herrscht in meinem Kopf gerade eine gewaltige Leere.

Ich würde gern komplett ausrasten, weil eine Idee nach der anderen aus mir rauskommt.

Aber dem ist nicht so.

 

Mein Blick geht zur Kamera und ich denke nur „Überteuertes Miststück!“ Natürlich kann die Kamera nichts für meinen Frust, aber manchmal denke ich wirklich darüber nach, einfach aufzuhören. Den ganzen Bums verkaufen und nicht mehr an die Fotografie denken.

 

Und dann kommen die Selbstzweifel und diese sind ganz böse für einen Künstler. Ich schaue mir meine Bilder an und frage mich, ob ich wirklich gut genug bin. Okay, das ist streng genommen total subjektiv, aber manchmal ist man einfach in seinen eigenen grauen Gedanken gefangen und kommt da nicht so schnell raus. Und dann frage ich mich, ob ich das alles überhaupt noch will.

Klar will ich! Oder auch nicht? Vielleicht? Mal sehen, wie sich das nächste Jahr so entwickelt.

Aber eigentlich will ich noch… oder?

 

Vor lauter Langeweile und Selbstzweifel scrolle ich durch meine Whatsapp Liste, um zu sehen, wem ich gerade mit meinem Krea-TIEF auf den Keks gehen. Und dann sehe ich hier und da Profilbilder… Bilder, die ich geschossen habe… ein kleiner Lichtblick, weil es eben doch Menschen gibt, die meine Bilder mögen. Menschen, die ich glücklich gemacht habe.

Ganz vertrieben sind die grauen Gedanken nicht, aber ganz leise höre ich ein sanftes Klopfen tief in mir. Und ich weiß, mit der Zeit wird dieses Klopfen lauter, früher oder später.

Dann wird aus diesem Klopfen ein lautes Trommeln in meiner Brust. Wie ein Irrer, der gegen Türen hämmert, weil er raus will. Und ich weiß, in diesem Moment wird eine neue Idee geboren.

Es braucht nur ein wenig Zeit. Und solange verweile ich in meinen grauen Gedanken.

***

 

Und dann, etwa vier Wochen später, war da dieser Hocker und diese etwas übergewichtige, verrückte Künstlerin, die sich einfach nackt auf das Ding gesetzt hat, um sich selbst zu fotografieren. 

 

Dass die Ergebnisse auch nur ansatzweise gut ankommen, nein, damit habe ich beim besten Willen nicht gerechnet. Das musste ich erst mal sacken lassen. Und dann war es zurück, das Feuer, welches die meisten meiner Bilder ausgemacht hat und eine Idee.

 

„Ich mach einfach ’ne Hocker-Serie, vielleicht hat ja jemand Bock drauf!“ Gedacht getan! So verfasste ich eine kleine, aber feine Ausschreibung in der Hoffnung, dass sich wenigstens 2 oder 3 Leute bereit erklären würden, sich nackt von mir fotografieren zu lassen.

 

Was dann geschah, war jedenfalls für mich jenseits von Gut und Böse. Innerhalb von 2 Tagen flatterten etwa 20 Anfragen in mein Postfach. Wirklich fassen konnte ich das in diesem Moment nicht. 

 

Es waren so viele interessante Personen, so viele Gesichter, die ich unbedingt vor der Kamera haben wollte.  Gesichter, die ich schon in der ein oder anderen Fotogruppe gesehen hatte. Die Flut musste ich erst mal verarbeiten und so begann ich einen ausgiebigen Spaziergang um den Block. 

 

Und bei so einem Spaziergang kommen mir meistens die besten Ideen. „Sag allen zu und mach verdammt noch mal ein Magazin! Wird schon werden.“

Zurück am Computer erzählte ich den Hocker-Interessenten von meiner Idee und fragte, ob sie auch bereit wären, an dieser Magazinidee mitzuwirken. 

 

Es blieb jedoch nicht bei den 20 Anfragen. Noch Wochen später bekam ich Anfragen für mein Hocker-Projekt. Bei 30 musste ich dann aber wirklich nen Cut machen. Hin und wieder sprang dann doch der ein oder andere ab, neue Interessenten kamen hinzu. Langweilig wurde es definitiv nicht. Nun, am Ende dieses Projektes habe ich immerhin 28 wunderbare Menschen auf meinem Hocker gehabt. Ein klein wenig stolz bin ich schon, das gebe ich ehrlich zu.

 

Der ein oder andere Bewerber hielt es für notwendig, mir für “Bewerbungszwecke” eine ganze Palette Nacktbilder zu schicken. Das lasse ich an dieser Stelle unkommentiert. Ich sag euch nur, diese Personen haben es nicht ins Projekt geschafft ;) 

 

Der Weg bis zum fertigen Magazin war lang und mit viel Arbeit verbunden. Für das erste Shooting hatte ich meine beste Freundin und ihren Freund kommen lassen, dieses Shooting haben wir tatsächlich am Ende, also 3 Monate später, wiederholt, da ich mit den Ergebnissen doch nicht so zufrieden war. 

 

Der erste „Fremde“, den ich nackt ablichten durfte, war Holger und was soll ich sagen, scheiße war ich nervös. Tatsächlich lief vor allem durch Holgers lockere und lustige Art alles doch sehr geschmeidig.

 

Mit jedem Shooting habe ich gelernt, wo ich mich noch verbessern kann. Das Allerwichtigste war wohl, dass sich die Leute vor dem Shooting die Füße waschen mussten. Denn ich kann euch sagen, schwarze Sockenfussel vom weißen Hintergrund wegzustempeln ist nicht unbedingt meine Lieblingsaufgabe. 

 

Alles in allem war es eine mega Erfahrung, es wurde viel gelacht, geredet und nebenbei sind ein paar richtig geile Bilder entstanden. Ich durfte in dieser Zeit so viele unterschiedliche und doch großartige Persönlichkeiten kennenlernen.

 

Doch nicht nur das, jeder meiner Teilnehmer hat zu diesem Werk beigetragen, es wurde sich nackt gemacht, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. 

Auf diese Erfahrung hätte ich nie im Leben verzichten wollen. 

 

Wohin diese Reise gehen sollte, wusste ich am Anfang noch gar nicht. Klar, nackt und echt sollte es sein. Die fertige, endgültige Idee hinter diesem Magazin entwickelte sich erst mit jedem einzelnen Teilnehmer. Ich kann also an dieser Stelle abschließend sagen, dies ist nicht nur mein Projekt, nein, es ist UNSER Projekt. 

 

Eine kleine Auswahl aus den Shootings habe ich hier für euch zusammengestellt. 

 

Warum ihr das Magazin "Nackt und echt auf’m Hocker" kaufen solltet? Ganz einfach. Weil hier nicht einfach irgendwelche Menschen plump auf nem weißen Hocker sitzen, nein, hier geht es um viel, viel mehr. Hier geht es um. Die Menschen. Und ihre Geschichten. Jeder gibt einen kleinen Einblick in sein Innerstes und zeigt sich nackt, verletzlich und echt. Manche Geschichten rühren zu Tränen, bei manchen muss man schmunzeln. Und jeder einzelne Text kommt aus dem tiefsten Herzen der Teilnehmer. Es ist wichtig, dass sie alle gehört und gesehen werden. Ein wenig Gegenwind in einer Welt voller High-End-Beautyretusche und vorgefertigten Werbetexten. Hier ist wahrlich alles nackt und echt.

Ein weiterer Grund dieses Magazin zu kaufen? Ihr Unterstützt eine lokale Künstlerin, um auch weitere Projekte in dieser Form realisieren zu können

Man kann also sagen, hier sind 30,00€ für 72 Seiten sehr gut angelegt.

29 Personen, 3 Paare, 32 Fotos und Geschichten

"Ein Stück Kunst, Realismus und Emotionen." um einen lieben Kollegen zitieren zu dürfen.

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