Wie ich aus Versehen Dark Fantasy schrieb

Ich hing mal wieder ziellos bei Thalia rum. Regale, Neuerscheinungen, dieses diffuse Gefühl von »Ich schaue nur, ich kaufe nichts«, gelogen wie immer.
Zwei ältere Damen standen ein paar Schritte entfernt und führten eines dieser Gespräche, die man nicht hören will und trotzdem hört.
Sie redeten darüber, was man heute alles nicht mehr erzählen dürfe. Über Märchen. Über die Grimms. Über Verantwortung.
Eine von ihnen sagte dann diesen Satz:

»Ich kann nicht verstehen, dass man die Märchen der Grimms heute noch erzählt. Das kann man Kindern nicht zumuten. Eltern, die so etwas machen, sind verantwortungslos.«

Ich stand daneben und dachte nur: Ernsthaft?
Genau das ist unser Problem.

Warum mich das so wütend gemacht hat


Ich bin mit diesen Geschichten groß geworden.
Mein Vater erzählte sie mir abends. Auf Kassette hörte ich die Versionen, die bis heute in meinem Kopf sitzen und sich weigern auszuziehen.
Da bekam Schneewittchens Stiefmutter ihre glühenden Pantoffeln verpasst. Punkt.So muss das sein.

Und ja, ich fand es als Kind befriedigend, dass die Stiefschwestern von Aschenputtel sich die Füße verstümmelten und ihre Augen von Tauben ausgepickt wurden.
Pädagogisch wertvoll?
Kann man drüber streiten.
Unterhaltsam war es trotzdem.

Die Märchen, die plötzlich weichgespült waren


Später saß ich sonntagmorgens mit meiner Oma vor den Verfilmungen. Viele davon hatten mit den Geschichten, die ich kannte, nur noch entfernt zu tun.
Je nach Version wurde die Stiefmutter einfach nur hässlich. Oder uralt. Oder sie verschwand kommentarlos aus der Handlung. Kein Preis. Keine Konsequenz.
Das irritierte mich schon damals.
Ich wollte sehen, wie Konsequenz aussieht.
Mordlustige Tauben hätten mein Kinderherz ehrlich erfreut.
Vielleicht war ich auch einfach früh etwas zu begeistert von Blut und Gemetzel. Andere Kinder sammelten Diddlblätter. Ich hatte andere Prioritäten.


Der Moment, in dem der Plot anklopfte


Als ich an diesem Tag aus der Buchhandlung kam, klopfte mein Plot an die Tür. Nicht höflich. Eher so, als würde er sie gleich eintreten.
Also musste ich wohl einen Dark-Fantasy-Roman schreiben.
Wäre ich an diesem Tag nicht dort gewesen, gäbe es Die Chroniken der Unerzählten nicht.
Dann hätte ich vermutlich einfach meinen nächsten Psychothriller geschrieben, und mein Leben wäre deutlich ruhiger verlaufen.

Wie daraus eine Trilogie wurde


Während ich Band 1 in die Tastatur hämmerte, stürmte der Wahnsinn an meinen Schreibtisch, grinste mich an und brüllte:
»Trilogie!«
Ich dachte: Der spinnt doch.
Trotzdem gab ich nach, beugte mich dem Wahnsinn und murmelte: »Also gut. Dann eben Trilogie.«
Geplant war davon nichts. Wirklich nichts.
Am Ende wurde es eine Trilogie darüber, was passiert, wenn Märchen nicht entschärft, sondern ernst genommen werden. Wenn sie verfallen. Wenn Regeln brechen. Wenn Konsequenzen bleiben.

Worum es in Die Chroniken der Unerzählten geht


Vergiss alles, was du über Märchen zu wissen glaubst.
Die Märchenwelt zerfällt.
Helden vergessen, wofür sie stehen. Flüche verlieren ihr Ziel. Geschichten laufen weiter, obwohl ihr Sinn längst verbraucht ist.
Elara ist eine von denen, die nie Teil dieser Geschichten waren.
Eine Unerzählte. Geboren aus dem Rest fremder Wünsche. Geduldet, solange sie unsichtbar bleibt.
Im Dreibeinigen Henker, einem Ort für Gestrandete und Vergessene, ertränkt sie ihre Erinnerungen, bis sie eine Grenze überschreitet, die niemals hätte fallen dürfen.
Sie berührt Rotkäppchen.
Von diesem Moment an richten sich Blicke auf sie, die besser geschlafen hätten. Die Brüder Grimm treten aus dem Schatten und sprechen von einem Riss in der Ordnung. Von Mächten, die reagieren, wenn Regeln gebrochen werden.
Sie bieten Elara etwas, das ihr nie zustand.
Eine Wahl.
Gemeinsam mit anderen Unerzählten macht sie sich auf den Weg nach Westen. Durch Orte, an denen Märchen zu Prüfungen geworden sind. Durch Hunger, Schuld und Entscheidungen, die sich nicht zurücknehmen lassen.
Denn in einer Welt, die von Geschichten zusammengehalten wird, ist Hoffnung kein Trost.
Sie ist eine Einladung, alles zu verlieren.


Band 1 ist für März geplant.
Und nein, das wird kein Märchen zum Einschlafen.

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Buchcover von „Die Chroniken der Unerzählten – Band 1“ von Sabrina Pesch, dargestellt als Taschenbuch und auf einem Tablet. Das Cover zeigt eine gruselige Gestalt mit Kapuze in einem verzierten Rahmen vor grünlichem Hintergrund.
Band 1
uchcover von „Die Chroniken der Unerzählten – Band 2“ von Sabrina Pesch, als Taschenbuch und E-Book-Reader. Das Cover zeigt einen Mann mit Zylinder in einem ovalen Rahmen vor rötlichem Hintergrund.
Band 2
Band 3






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