Im Vergleich zu meinen Printbüchern sind meine E-Books breit verfügbar. Die bekommt ihr nicht nur bei Amazon, sondern auch bei Thalia, Hugendubel, Apple Books, Kobo und all den anderen digitalen Verkaufsregalen, in denen Bücher friedlich herumliegen und darauf warten, entdeckt zu werden.
Bei meinen Taschenbüchern und Hardcovern sieht das inzwischen anders aus. Die laufen nur noch über Amazon KDP. Nicht, weil ich morgens aufwache und denke: »Heute möchte ich Jeff Bezos emotional näherkommen.« Sondern weil ich in drei Jahren Selfpublishing mit KDP, tredition, tolino media, verschiedenen Auflagen, alten Buchdaten und genug Distributorengefummel herumgehurt habe, um inzwischen weniger an Buchromantik zu glauben und mehr an Systeme, die mir nicht bei jeder Änderung die Seele aus dem Rückenmark nuckeln.
KDP, tredition und tolino media habe ich selbst ausprobiert. Bei BoD/Books on Demand stand ich mehrfach kurz davor, bin dann aber jedes Mal wieder zurückgezuckt, weil mich die Bedingungen abgeschreckt haben. Vor allem die Bindung für ein Jahr und die Exklusivität im Printbereich waren für mich der Punkt, an dem meine innere Alarmanlage nicht mehr dezent piepte, sondern mit brennenden Fähnchen durch den Vertragskeller rannte.
Trotzdem habe ich mich auch durch die Wüste der anderen Anbieter gekämpft, weil dieser Artikel sonst nur meine persönliche Plattformbiografie wäre und kein brauchbarer Vergleich. Und dafür sind wir hier wirklich nicht tief genug in den Wahnsinn gestiegen. Wenn ich später über Druckpreise, Tantiemen, Eigenexemplare, Verkaufspreise, Nachoptimierung, alte Buchdaten, Verfügbarkeit, Buchhandelsanschluss und die Frage spreche, wie viel Kontrolle man als Selfpublisher am Ende wirklich behält, geht es also nicht nur um eigene Nutzung, sondern auch um geprüfte Konditionen, Kalkulationen und die Art von Recherche, bei der man irgendwann Excel anschaut und denkt: »Du kleines Arschloch. Sag mir jetzt einfach, wo die Leiche liegt.«
Und genau darüber möchte ich in diesem Beitrag reden: warum ich gerade Neueinsteigern im Selfpublishing für Printbücher eher Amazon KDP empfehlen würde als den romantischeren Weg über breite Buchhandelsanbindung, VLB, Distributoren und dieses ganze sehr erwachsen klingende Gewirr aus Bestellbarkeit, Margen, Vertragslogik, Druckkosten, Datenleichen und gepflegtem Realitätsverlust.
Am Anfang klingt vieles erst einmal gut. Buchhandelsanschluss, VLB, Bestellbarkeit, breite Verfügbarkeit, verschiedene Distributoren. Alles sehr offiziell, alles sehr erwachsen, alles mit diesem leichten Geruch nach: »Jetzt bist du eine richtige Autorin.«
Nach mehreren Büchern, Auflagenwechseln und Plattformexperimenten klingt vieles davon für mich inzwischen weniger nach Literatur und mehr nach Buchdatenfriedhof mit ISBN-Geruch.
Man muss Amazon nicht lieben, um KDP zu nutzen.
Amazon ist nicht mein moralischer Lieblingsort im Internet. Ich stelle mir Jeff Bezos nicht als kleinen Buchengel vor, der nachts Selfpublishern über den Kopf streichelt und Taschenbücher segnet. Muss ich auch nicht. Selfpublishing ist kein Reinheitsritual für Menschen, die besonders hübsch und mit gefalteten Händen scheitern wollen.
Ich veröffentliche nicht, damit meine Bücher irgendwo besonders tugendhaft in einer Datenbank liegen und langsam digital verwesen. Ich veröffentliche, damit sie gelesen und gekauft werden. Ja, eine Autorin möchte mit ihren Büchern Geld verdienen. Unfassbar. Holt die Mistgabeln, aber bitte nicht auf meine frisch formatierten Dateien tropfen.
Natürlich gibt es Menschen, die Amazon meiden oder bewusst boykottieren. Das kann ich verstehen. Wirklich. Aber ich kann meine Printstrategie nicht um die Menschen herum bauen, die meine wichtigste Verkaufsplattform grundsätzlich ausschließen. Das wäre ungefähr so sinnvoll, wie ein Bordell für Leute zu eröffnen, die Körperkontakt aus Prinzip ablehnen.
Buchhandel: Holzregal im Kopf, Datenleiche im System
Stationärer Buchhandel klingt natürlich romantisch. VLB, Bestellbarkeit, Buchhandelslistung. Man sieht sich kurz gedanklich zwischen Holzregalen stehen, während irgendwo eine Buchhändlerin ehrfürchtig den eigenen Namen haucht und die Literaturgötter eine kleine Träne verdrücken.
Süß. Wirklich süß.
Leider hat die Realität meistens keine Geige dabei, sondern Arbeitsschuhe, kaltes Licht und diesen sehr speziellen Geruch nach: »Wir führen hier keine unbekannten Selfpublisher, aber viel Erfolg weiterhin.«
Ein Buch kann im System auffindbar sein und trotzdem von niemandem gefunden werden. Wenn dich keiner kennt, sucht dich auch keiner. Das klingt brutal, ist aber einer dieser Selfpublishing-Momente, in denen die Buchromantik kurz würgt und dann leise hinter dem Regal verreckt.
Denn »im Buchhandel bestellbar« bedeutet nicht, dass irgendein Mensch plötzlich deinen Namen in eine Suchleiste hämmert. Es bedeutet nur, dass dein Buch theoretisch existiert. Irgendwo. In einem System. Zwischen anderen Daten. Still, sauber eingetragen und ungefähr so lebendig wie eine Leiche mit ISBN.
Als ich meinen ersten Roman In Vollendung veröffentlicht habe, habe ich alle rund 350 Thalia-Filialen angeschrieben. Zusätzlich habe ich kleinere Buchhandlungen kontaktiert, weil man am Anfang ja noch glaubt, irgendwo sitze die eine rettende Buchhändlerin mit offenem Herzen, leerem Tisch und Sehnsucht nach unbekannten Selfpublishern.
Spoiler: Die Realität hatte andere Pläne. Vermutlich hatte sie auch keine Lust auf meine Mail.
Von all diesen Thalia-Mails bekam ich ungefähr zehn Antworten. Drei Filialen waren bereit, mein erstes Buch zu bestellen. Drei. Von rund 350.
Das ist keine kleine Enttäuschung. Das ist ein sehr klarer Wink mit dem Leichentuch.
Merke: Wenn dein Buch ohnehin nicht im Laden liegt, findet dich stationär auch keine Sau, die nur stationär kauft. Ja, den Satz muss man kurz wirken lassen.
VLB: Bestellbar heißt nicht begehrt
Ich finde das VLB nicht unwichtig. Buchdaten, Auffindbarkeit und Bestellbarkeit sind sinnvoll. Das Verzeichnis Lieferbarer Bücher sorgt dafür, dass ein Buch im Buchhandel überhaupt ordentlich gelistet und bestellt werden kann. Das ist kein Unsinn. Das ist Infrastruktur.
Aber Infrastruktur ist noch kein Publikum.
Die ISBN wiederum ist erst einmal die eindeutige Kennnummer eines Buches. Sie sagt: »Dieses Buch existiert.« Herzlichen Glückwunsch. Auch Kellerasseln existieren. Verkaufen sich trotzdem eher mäßig.
Für unbekannte Selfpublisher ist das am Anfang oft der Punkt, an dem die romantische Buchhandelsfantasie zum ersten Mal mit dem Gesicht auf den Boden klatscht. Eine ISBN macht ein Buch identifizierbar. Das VLB macht es auffindbar und bestellbar. Aber weder die eine noch das andere sorgt dafür, dass plötzlich irgendein Mensch morgens aufwacht und denkt: »Heute suche ich gezielt nach diesem unbekannten Selfpublisher, von dem ich noch nie gehört habe.«
Du bist am Anfang nicht der unterschätzte Geheimtipp. Du bist John Doe mit ISBN. Im System vorhanden, formal erfasst, theoretisch auffindbar, aber für die meisten Menschen ungefähr so greifbar wie eine Aktennotiz in einem Kellerarchiv.
Das klingt hart, ist aber der Unterschied zwischen theoretischer Verfügbarkeit und tatsächlicher Nachfrage. Nur weil ein Buch bestellbar ist, steht es nicht plötzlich im Laden. Nur weil es im System existiert, greift keine Leserin magisch danach. Und nur weil Buchdaten irgendwo brav eingetragen wurden, öffnen sich nicht die Tore des Buchhandels, während im Hintergrund ein Chor aus Lageristen »Halleluja« grölt.
Manchmal sitzt dein Buch einfach sauber gelistet in einer Datenbank. Still. Würdevoll. Ungelesen. Wie eine kleine Datenleiche mit ordentlicher Kennnummer.
Kosten: Wo Buchromantik langsam ausblutet
Bei KDP kostet mich die Veröffentlichung keine Grundgebühr. Kein Startpaket, kein Pflichtservice, kein kleines Eintrittsgeld in den Buchfriedhof. Ich lade mein Taschenbuch oder Hardcover hoch, prüfe die Druckdaten, bestelle bei Bedarf ein Exemplar und bezahle nicht dafür, dass mein Buch überhaupt existieren darf. Amazon verdient, wenn das Buch verkauft wird. Nicht romantisch, aber wenigstens direkt.
Bei anderen Anbietern muss man genauer hinschauen. Nicht nur auf die hübsche Startseite, auf der alles nach Freiheit, Buchliebe und professionellem Veröffentlichungsgefühl riecht, sondern auf Preise, Vertragsbedingungen, Rechte, VLB-Listung, Zusatzleistungen, Kündigung und Aktualisierungsmöglichkeiten. Also dahin, wo die Romantik meistens mit offenem Bauch auf dem Boden liegt.
BoD/Books on Demand startet mit Publish aktuell bei 39 € einmalig inklusive ISBN. Wer mehr möchte, landet bei Publish Plus bei 299 € oder bei Publish Premium bei 699 €. Dazu kommt: Das Probeexemplar ist bei Publish nicht automatisch enthalten, sondern optional kostenpflichtig. Mich hat bei BoD aber vor allem die Vertragslogik abgeschreckt: exklusive Verwertungsrechte für die Laufzeit des Buchvertrags, Bindung für ein Jahr mit automatischer Verlängerung und keine saubere Trennung einzelner Nutzungsformen. Für mich war das der Punkt, an dem mein innerer Vertragsdetektor röchelnd unter dem Tisch lag und geflüstert hat: »Lies das noch mal, du Vollidiot.«
tolino media verlangt für Print aktuell eine einmalige Grundgebühr von 18,90 € pro Buchprojekt. Enthalten sind unter anderem ISBN, Barcode, VLB-Listung und die jederzeit mögliche Aktualisierung der Metadaten. Umschlag und Inhalt können ebenfalls aktualisiert werden, allerdings über den Support und unter bestimmten Voraussetzungen.
Das ist der kleine Haken mit Zähnen. Es ist nicht dasselbe wie bei KDP, wo ich eine Datei austausche und fertig. Bei tolino media wird eine Änderung schneller zum Supportthema. Und wenn aus der Änderung eine Neuauflage wird, kostet das neue Buchprojekt wieder 18,90 €.
Dazu kommt der hübsche kleine Nachgeschmack, dass alte Auflagen unter Umständen weiterhin irgendwo im Netz auftauchen oder käuflich sein können.
tredition ist bei der Veröffentlichung grundsätzlich kostenlos. Kosten entstehen vor allem bei Eigenexemplaren oder optionalen Leistungen. Wichtig ist aber: Die VLB-Listung ist ab 2026 nicht mehr automatisch Teil des Pakets, sondern eine freiwillige, kostenpflichtige Zusatzoption. Kostenlos veröffentlichen heißt also nicht automatisch: volle Buchhandelsromantik mit VLB-Schleifchen.
epubli wirbt ebenfalls mit einer kostenfreien Veröffentlichung, inklusive ISBN, Aktualisierungen und Neuauflagen. Dazu kommt laut Anbieter ein flexibler Vertrag ohne Mindestlaufzeit und mit jederzeitiger Kündbarkeit. Klingt freundlich. Fast verdächtig freundlich. Der Haken zeigt sich in diesem Artikel weniger beim Einstiegspreis, sondern später bei Druckpreisen, Eigenexemplaren und vor allem bei den Hardcover-Kalkulationen.
Und dann gibt es noch den Punkt, den viele beim ersten Buch gar nicht auf dem Schirm haben: Pflichtexemplare. In Deutschland gibt es die Deutsche Nationalbibliothek und zusätzlich die Landesbibliotheken. Je nach Anbieter, Veröffentlichungsform, Bundesland und Regelung kann es sein, dass Exemplare abgegeben werden müssen. Manchmal übernimmt das der Anbieter, manchmal nur digital, manchmal gar nicht. Bitte prüft vor Veröffentlichung selbst, wer wann welche Pflichtexemplare wohin schicken muss. Nicht irgendwann. Vorher. Dieser kleine Behördenkobold kommt sonst später aus dem Schrank.
Der reine Veröffentlichungspreis ist deshalb nur ein Teil der Wahrheit. Entscheidend sind am Ende Startkosten, Vertragsbindung, Rechte, VLB, Aktualisierungen, Pflichtexemplare und die Frage, wie viel Kontrolle man nach der Veröffentlichung wirklich behält.
Die konkreten Druckkosten, Eigenexemplare, Tantiemen und Verkaufspreise kommen gleich noch. Keine Sorge, der Zahlenfriedhof öffnet seine Tore früh genug.
Druckpreise, Tantiemen und der kleine Margen-Friedhof
Bei tredition, BoD/Books on Demand, tolino media oder epubli kann breite Verfügbarkeit erst einmal hübsch klingen. Buchhandel hier, VLB da, alle halten sich kurz an den Händen und summen etwas von professioneller Veröffentlichung. Süß. Am Ende bleibt aber die Frage, was wirklich übrig bleibt: Druckpreise, Eigenexemplare, Tantiemen und ein Verkaufspreis, bei dem Leser nicht sofort glauben, das Buch sei mit Blattgold und persönlichem Seelsorgegespräch ausgestattet.
Und ja, natürlich kann man jetzt sagen: »Aber es geht doch um Literatur.« Tut es auch. Aber Literatur bezahlt keine Probedrucke, kein Korrektorat, keine Coverarbeit, keine Messekosten und keine Versandkartons. Leidenschaft ist schön. Leidenschaft ist wichtig. Leidenschaft überweist dir aber nachts nicht die Kohle zurück, die ein offizielles, erwachsen klingendes System vorher mit beiden Händen aus deiner Marge genagt hat.
Damit der Vergleich nicht aussieht wie ein Verkehrsunfall mit Taschenrechner, rechne ich mit einer einheitlichen Grundlage. Verglichen werden Taschenbuch und Hardcover jeweils mit 250, 300 und 400 Seiten. So sieht man direkt, was bei welchem Format passiert, ohne Taschenbücher mit Hardcovern, 250 Seiten mit 600 Seiten oder Buchromantik mit Wirtschaftlichkeit zu verwechseln.
Die folgenden Werte sind Beispielrechnungen mit Stand Juni 2026. Sie können sich je nach Format, Papier, Ausstattung, Vertriebskanal, Anbieterbedingungen, Mehrwertsteuer, Versand und späteren Preisänderungen verändern. Willkommen im Selfpublishing, wo selbst Zahlen manchmal aussehen, als hätten sie nachts heimlich den Anbieter gewechselt.
Damit die Beispiele vergleichbar bleiben, kalkuliere ich jeweils so, dass am Ende ungefähr 2 € Marge übrig bleiben. Nicht, weil 2 € nach finanzieller Freiheit riechen, sondern weil alles darunter irgendwann nur noch ein wirtschaftlicher Klaps auf den Kopf ist. Und ja, ich weine jedes Mal ein bisschen, wenn Kollegen erzählen, dass sie für ihr Print im Schnitt 15 Cent bekommen.
Ein Autor arbeitet Monate oder Jahre an einem Werk. Da steckt nicht nur eine Datei drin, die zufällig irgendwann auf einer Plattform landet, sondern Zeit, Überarbeitung, Nerven, Druckdaten, Cover, Korrekturen, Marketing und meistens mindestens eine kleinere persönliche Kernschmelze. Wer am Ende nur ein paar Cent pro verkauftem Buch übrig behält, wurde nicht bezahlt. Er wurde abgespeist wie ein Idiot, der froh sein soll, überhaupt mitspielen zu dürfen.
Deshalb ziehe ich hier diese Linie. Ungefähr 2 € Marge sind noch immer kein Reichtum, aber wenigstens kein Kleingeld aus der Trostschublade mit den Worten: »Fein gemacht, hier hast du deinen Autorenlohn, kauf dir davon ’ne gemischte Tüte am Büdchen.«
Taschenbuch
250 Seiten
| Anbieter | Verkaufspreis | Eigenexemplar | Tantiemen Verkauf | Tantiemen Anbietershop |
|---|---|---|---|---|
| Amazon KDP | 10,99 € | 3,75 € | 2,41 € | nicht separat |
| Tolino Media | 14,99 € | 8,55 € | 2,36 € | nicht separat |
| BoD / Books on Demand | 13,99 € | 9,88 € | 2,44 € | 3,66 € |
| tredition | 16,99 € | 9,88 € | 2,29 € | 6,19 € |
| epubli | 14,99 € | 8,45 € | 2,27 € | 3,67 € |
300 Seiten
| Anbieter | Verkaufspreis | Eigenexemplar | Tantiemen Verkauf | Tantiemen Anbietershop |
|---|---|---|---|---|
| Amazon KDP | 11,99 € | 4,35 € | 2,38 € | nicht separat |
| Tolino Media | 15,99 € | 9,63 € | 2,29 € | nicht separat |
| BoD / Books on Demand | 14,99 € | 11,59 € | 2,29 € | 3,44 € |
| tredition | 17,99 € | 11,59 € | 2,32 € | 6,60 € |
| epubli | 15,99 € | 9,43 € | 2,18 € | 3,68 € |
400 Seiten
| Anbieter | Verkaufspreis | Eigenexemplar | Tantiemen Verkauf | Tantiemen Anbietershop |
|---|---|---|---|---|
| Amazon KDP | 13,99 € | 5,55 € | 2,29 € | nicht separat |
| Tolino Media | 17,99 € | 11,85 € | 2,15 € | nicht separat |
| BoD / Books on Demand | 17,99 € | 15,02 € | 2,55 € | 3,83 € |
| tredition | 19,99 € | 13,75 € | 2,37 € | 7,42 € |
| epubli | 18,99 € | 11,47 € | 2,44 € | 4,22 € |
Hardcover
250 Seiten
| Anbieter | Verkaufspreis | Eigenexemplar | Tantiemen Verkauf | Tantiemen Anbietershop |
|---|---|---|---|---|
| Amazon KDP | 17,99 € | 7,65 € | 2,44 € | nicht separat |
| Tolino Media | 24,99 € | 14,30 € | 2,32 € | nicht separat |
| BoD / Books on Demand | 22,99 € | 15,33 € | 2,18 € | 3,27 € |
| tredition | 22,99 € | 15,33 € | 2,26 € | 8,47 € |
| epubli | 27,99 € | 19,78 € | 1,99 € | 4,60 € |
300 Seiten
| Anbieter | Verkaufspreis | Eigenexemplar | Tantiemen Verkauf | Tantiemen Anbietershop |
|---|---|---|---|---|
| Amazon KDP | 18,99 € | 8,25 € | 2,40 € | nicht separat |
| Tolino Media | 25,99 € | 15,38 € | 2,27 € | nicht separat |
| BoD / Books on Demand | 23,99 € | 17,05 € | 2,02 € | 3,03 € |
| tredition | 23,99 € | 17,05 € | 2,28 € | 8,87 € |
| epubli | 30,99 € | 21,86 € | 2,22 € | 5,12 € |
400 Seiten
| Anbieter | Verkaufspreis | Eigenexemplar | Tantiemen Verkauf | Tantiemen Anbietershop |
|---|---|---|---|---|
| Amazon KDP | 20,99 € | 9,45 € | 2,32 € | nicht separat |
| Tolino Media | 28,99 € | 17,60 € | 2,49 € | nicht separat |
| BoD / Books on Demand | 26,99 € | 20,48 € | 2,28 € | 3,42 € |
| tredition | 25,99 € | 20,47 € | 2,33 € | 9,69 € |
| epubli | 35,99 € | 26,18 € | 2,14 € | 5,50 € |
Was diese Zahlen zeigen
Wenn man genau hinschaut, wird ziemlich schnell klar: Die Unterschiede stolpern nicht nur ein bisschen auseinander. Sie prügeln sich mit Stuhlbeinen.
Bei den Taschenbüchern bleibt KDP in dieser Rechnung auffällig günstig. Besonders bei 400 Seiten sieht man den Unterschied: 13,99 € Verkaufspreis und 5,55 € Druckpreis. Bei anderen Anbietern wird derselbe Spaß schnell deutlich teurer. Für Leser wirkt das Buch dann hochpreisiger, für Autoren werden Eigenexemplare unangenehmer.
Bei den Hardcovern wird es noch hässlicher. KDP liegt bei 400 Seiten bei 20,99 € Verkaufspreis und 9,45 € Druckpreis. epubli landet bei 35,99 € Verkaufspreis und 26,18 € Druckpreis. Da fragt man sich kurz, ob man ein Buch kalkuliert oder eine Eigentumswohnung mit Lesebändchen.
Der fiese Punkt: Höhere Verkaufspreise bedeuten nicht automatisch höhere Tantiemen. Oft zahlt der Leser mehr, die Druckkosten fressen mehr, und am Ende sitzt derselbe traurige Kleckerbetrag in der Ecke und nennt sich Autorenlohn.
Die hohen Shop-Tantiemen bei tredition sehen auf dem Papier erst mal richtig geil aus. Sind sie aber nur bedingt. Denn diese Tantiemen gelten eben nur im eigenen tredition-Shop.
Und jetzt mal ehrlich: Kein normaler Leser denkt sich beim Buchkauf: »Ach komm, heute gehe ich mal in den tredition-Shop.« Die meisten Leser kennen den nicht. Die suchen den nicht. Die wollen einfach ein Buch kaufen und gehen zu Amazon, Thalia oder dahin, wo sie sowieso bestellen. Vielleicht kaufen ein paar Hardcore-Fans direkt im Anbieter-Shop, wenn sie bewusst unterstützen wollen. Schön. Nur trägt man darauf keine solide Printkalkulation.
Dazu kommt: Wenn ein Buch ohnehin schon teuer ist, hat kaum jemand Bock, auch noch Versandkosten oben draufzulegen. Da kann die Shop-Tantieme noch so hübsch aussehen. Für die echte Rechnung ist sie nur eingeschränkt brauchbar.
Kurz gesagt: Entscheidend ist nicht, welche Zahl in der Tabelle am geilsten aussieht. Entscheidend ist, wo Leser tatsächlich kaufen, was das Buch dort kostet und wie viel nach Druckkosten wirklich übrig bleibt. Alles andere ist Margenkosmetik auf einer Leiche.
KDP-Hardcover und der Preisvergleich mit Verlagstiteln
Und jetzt stellt diese Zahlen einmal neben ein aktuelles Verlagshardcover: Sebastian Fitzeks neuer Thriller Der Nachtzug wird als gebundenes Buch für den 21. Oktober 2026 angekündigt, mit 352 Seiten und einem Preis von 26,00 €.
Mein KDP-Beispiel mit 400 Seiten liegt bei 20,99 €. Kurz gesagt: mehr Seiten, niedrigerer Preis.
Damit ist ein Selfpublisher-Hardcover nicht automatisch unverschämt teuer, nur weil Selfpublishing draufsteht. Ja, große Verlage kalkulieren anders. Andere Auflagen, andere Handelswege, andere Marktmacht. Geschenkt. Für Leser steht am Ende trotzdem nur der Preis auf dem Buch. Und wenn ein Verlagshardcover mit 352 Seiten für 26,00 € völlig normal im Laden liegt, dann ist ein KDP-Hardcover mit 400 Seiten für 20,99 € kein frecher Mondpreis. Es ist ziemlich solide kalkuliert.
Falls jetzt jemand reflexartig aufschreien möchte: »Aber du kannst dich doch nicht mit Sebastian Fitzek vergleichen!« Doch. Kann ich. Es geht hier nicht darum, wer bekannter ist, wer mehr Regalfläche bekommt oder wessen Name im Buchhandel sofort die Kasse feucht werden lässt. Es geht um Hardcoverpreise, Seitenumfang und Kalkulation.
Ein Bestsellerautor ist am Ende trotzdem ein Autor. Ein Verlagsautor ist ein Autor. Ein Selfpublisher ist ein Autor. Scheißegal, welches Etikett vorne draufklebt. Die Arbeit verschwindet nicht, nur weil kein großer Verlag dahintersteht. Im Gegenteil: Selfpublisher schreiben nicht nur das Buch, sie kümmern sich auch noch um Cover, Satz, Druckdaten, Plattformen, Preise, Marketing und den ganzen restlichen Verwaltungsfriedhof, der bei Verlagsautoren oft irgendwo im Hintergrund mitläuft.
Berühmt sein heißt außerdem nicht automatisch, dass ein Buch besser ist als das eines Selfpublishers. Es heißt erst einmal nur: bekannter, sichtbarer, besser verteilt. Mehr nicht. Diese Gleichung »Bestseller = besseres Buch« ist einer dieser Buchbubble-Mythen, die schon nach drei Sekunden riechen, als hätte jemand Meinung in der Sonne liegen lassen.
Wichtig ist nur: Bei KDP darf man Brutto- und Nettopreise nicht durcheinanderwerfen. Der Shop zeigt später den Preis inklusive Umsatzsteuer. Wer also 20,99 € im Shop sehen will, muss vorher sauber zurückrechnen und den passenden Nettopreis eintragen. Bücher schreiben reicht natürlich nicht. Man darf nebenbei auch noch Umsatzsteuer rückwärts falten, weil das Leben offenbar Humor hat.
Die Seitenzahl ist dabei kein Deko-Fakt. Sie entscheidet massiv darüber, ob ein Hardcover preislich noch halbwegs normal wirkt oder aussieht, als hätte man den Leser beim Bezahlen gleich mit eingesargt.
Aber Zahlen sind nur der erste Teil dieser kleinen Print-Beerdigung. Denn selbst wenn Preis, Marge und Druckkosten halbwegs sitzen, warten danach noch die nächsten Baustellen: Nachoptimierung, alte Buchdaten, Datenleichen, Druckqualität, Verfügbarkeit und all die hübschen kleinen Systemprobleme, die einem erst auffallen, wenn das Buch schon irgendwo im Netz herumliegt und nicht mehr sauber sterben möchte.
Nachoptimieren: Dateien tauschen ohne Opferaltar
Ein großer Vorteil bei KDP ist für mich die Nachoptimierung. Neues Cover? Hochladen. Fehler im Manuskript gefunden? Datei austauschen. Innenformatierung korrigieren? In vielen Fällen möglich, ohne dass ich jedes Mal eine kleine Kontobeerdigung organisieren muss.
Natürlich gibt es Grenzen. Wenn eine Änderung faktisch eine neue Ausgabe ist oder die Seitenzahl massiv verändert, muss man sauber prüfen, ob eine Neuauflage nötig wird. Aber für normale Korrekturen, Coveranpassungen oder kleinere Optimierungen ist KDP ziemlich unkompliziert.
Bei tredition kann man ebenfalls Anpassungen vornehmen. Das klingt erst einmal gut. Ist es auch, bis die Realität mit dreckigen Fingern an die Buchdaten fasst. Denn wenn ein Shop bereits Exemplare mit Cover A auf Lager hat und ich später auf Cover B wechsle, kann im Shop zwar das neue Cover angezeigt werden. Geliefert wird dem Leser unter Umständen trotzdem die alte Version, weil die eben noch irgendwo herumliegt und nicht brav im Datenfriedhof verreckt ist.
Und genau da wird es unschön. Nach außen sieht alles neu aus, aber beim Leser landet im Zweifel die alte Fassung. Altes Cover, alte Auflage, alter Ärger. Herzlichen Glückwunsch, der Backkatalog hat Ausschlag.
Bei anderen Printsystemen wird aus einer Änderung ebenfalls schnell ein Supportfall, eine kostenpflichtige Anpassung oder ein kleines bürokratisches Fegefeuer mit ISBN-Geruch. tolino media ist bei Print deutlich starrer, bei BoD/Books on Demand kosten Änderungen Geld, und wenn zu viel geändert wird, steht man ohnehin wieder vor einer Neuauflage.
Datenleichen: Wenn alte Buchversionen einfach nicht verrecken
Ich habe sieben Bücher veröffentlicht. Auf manchen Plattformen sieht es aber aus, als hätte ich heimlich einen ganzen Friedhof nachgelegt. LovelyBooks und ähnliche Seiten listen mich aktuell mit 17 Büchern.
Das sieht nicht fleißig aus. Das sieht beschissen aus.
Der Grund: Buchdaten sterben nicht sauber. Alte Auflagen, alte Formate, alte Cover und längst entfernte Versionen bleiben irgendwo hängen, werden falsch zugeordnet oder tauchen in Shops weiter auf, als hätte jemand meinen Backkatalog nachts aus der Erde gezogen und wieder ins Regal gestellt.
Bei KDP kann ich mein aktives Printangebot deutlich besser kontrollieren. Wenn ich ein Format aus dem Verkauf nehme oder neu aufsetze, bleibt weniger alter Datenmüll zurück, der noch jahrelang als nicht lieferbar, gebraucht oder komplett verwirrend durch Shops taumelt.
Natürlich vergisst das Internet nie alles. Das Internet ist ein Messie mit WLAN und Leichenkeller. Aber ich brauche keine zusätzlichen Buchzombies, die meinen Namen tragen, mein altes Cover zeigen und aussehen, als hätte mein Backkatalog eine Pilzinfektion mit ISBN.
Druckqualität: KDP ist nicht der Enddarm der Buchproduktion
Viele meckern über die Druckqualität bei KDP. Ich will das gar nicht wegreden. Ich hatte selbst bisher zwei oder drei Ausreißer. Schiefer Schnitt, unsaubere Verarbeitung, irgendwas aus der kleinen Folterkammer des Print-on-Demand. Passiert. Nervt. Wird reklamiert.
Aus meiner Erfahrung ist das aber kein Dauerzustand, sondern ein Ausreißer.
Und ganz ehrlich: Wäre KDP wirklich der letzte Druckmüll der Literaturbranche, würden dort nicht seit Jahren deutsche Krimi- und Thrillerautoren erfolgreich Leser einsammeln. Catherine Shepherd, Elke Bergsma, Nika Lubitsch, Noah Fitz, Marcus Hünnebeck. Das sind keine drei verirrten Hobbyopfer mit Word-Dokument und Größenwahn, sondern Autoren, die über Amazon, KDP und Selfpublishing sichtbar Reichweite, Reihen und Fangemeinden aufgebaut haben.
Das funktioniert nicht, wenn die Bücher konsequent aussehen wie frisch aus einem feuchten Kellerkopierer gezogen. Leser kaufen vielleicht einmal aus Neugier. Aber sie kaufen keine Reihen, keine Fortsetzungen und keine Backlists, wenn Inhalt, Ausstattung und Druckqualität dauerhaft scheiße sind. So masochistisch ist nicht mal die Buchbubble. Meistens.
KDP ist nicht perfekt. Amazon ist nicht perfekt. Niemand muss Jeff Bezos jetzt eine Kerze ins Fenster stellen und leise »Danke für meine Marge« flüstern. Aber für meine Printbücher stimmt aktuell das Verhältnis aus Kosten, Druckqualität, Flexibilität, Nachoptimierung und Verkäuflichkeit.
Und darum geht es. Nicht um Plattformromantik. Nicht um die Frage, ob Amazon sympathisch ist. Sondern darum, ob ein Buch am Ende ordentlich genug gedruckt wird, bezahlbar bleibt und Leser es kaufen, ohne vorher einen Kredit aufzunehmen oder eine spirituelle Bindung zum stationären Buchhandel einzugehen.
Schlusswort
Falls ihr bis hierhin nicht innerlich verwest seid: Respekt. Ich hoffe, dieser total kurze Erfahrungsbericht hat euch geholfen.
Wenn ja, dürft ihr gern ein kleines Blutopfer in den Kommentaren hinterlassen. Oder eine Meinung. Ist im Internet fast dasselbe, nur mit weniger Flecken auf dem Teppich.
Wenn ihr jemanden kennt, der gerade im Selfpublishing veröffentlichen will und noch ahnungslos durch den Print-Sumpf stapft, schickt ihm diesen Beitrag. Per Mail, WhatsApp, Facebook oder meinetwegen per Brieftaube mit Druckkosten-Trauma am Bein.
Unten findet ihr die Share-Buttons. Nutzt sie. Die liegen da nicht als Deko herum.
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